Die erste ein-Sack Ernte dieses Kaffees haben wir für unser 6. Jubiläum im Mai 2024 geröstet und bereits um 16 Uhr war es ausverkauft. Wir haben versprochen, dass es nicht das letzte Mal sein wird, das wir diesen Kaffee im Shop haben und dann kam die neue Ernte! Mit 90kg Erntemenge immer noch keine relevante Größe, aber dreimal mehr als damals und das Jahr für Jahr.
KAFFEEFARMER Jacob Mammen · HERKUNFT Indien · KAFFEEFARM Badra Estates · PLANTAGE Bettadakhan · PARZELLE Jagalikal · ANBAUHÖHE 1375m · VARIETÄT Yellow Caturra · VERARBEITUNG Fully Washed · BOHNENGRÖßE 14up · ERNTEMENGE 90kg
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Als wir die Kaffeebar eröffnet haben, hätten wir uns nie vorstellen können, dass es so lange halten wird. Besonders die letzten Jahre haben viel Energie gekostet und ständige Neu-Erfindung erfordert. Es ist längst Tradition, das wir an diesem Tag, an dem Tag wo wir nochmals resümieren können und hunderte unserer Gäste begrüßen dürfen, einen besonderen Kaffee veröffentlichen!
Da die Jubiläumsedition 2024 eine Überraschung war, konnten wir im Vorfeld nur wenig verraten.
Eines durften wir jedoch teilen: Es handelt sich um eine gelbreife Kaffeekirsche.
Gelbreife Kaffees sind inzwischen eine echte Rarität. Aufgrund ihrer dünneren Fruchthaut gelten sie bei vielen Kaffeebauern als weniger robust und sind im Vergleich zu rotreifen Kaffees deutlich unbeliebter. Röster und Baristi wissen jedoch genau, warum sie so geschätzt werden: Gelbe Kirschen bringen eine besonders feine, klare Süße in die Tasse.
Weltweit tragen nur rund 5% aller Kaffees gelbe Kirschen. Wer uns schon länger begleitet, erinnert sich vielleicht an unsere beliebten Brasilianer wie Taioba oder Gelber Catuai, die wir über die Jahre immer wieder im Sortiment hatten. Auch der Jubiläumskafee 2023 war ein Pacamara Amarelo.
Dieser Yellow Caturra stammt aus Indien und ist vermutlich der einzige gelbreife Kaffee des Landes.
Auch wenn unser „Yellow Cat“ bereits am 26. Mai 2024 um 16 Uhr restlos ausverkauft war, konnten wir eines versprechen: Das war nicht das letzte Mal. Wir erhalten jedes Jahr die neue Ernte – und freuen uns darauf, sie immer wieder mit euch zu teilen.
Die gelbreifen Kaffeekirschen, die mir in nunmehr zwölf Jahren als Kaffeeröster begegnet sind, stammten nahezu ausschließlich aus Brasilien, Costa Rica, vereinzelt aus weiteren zentralamerikanischen Ländern oder gelegentlich aus Kolumbien. Ein gelber Bourbon aus Kenia oder einem anderen afrikanischen Anbaugebiet? Mir ist keiner bekannt.
Wir wissen, dass einige gelbe Varietäten aus Indonesien stammen – und unsere Kolleginnen und Kollegen in Malaysia haben mittlerweile sogar Yellow Liberica entdeckt.
Unterm Strich bleibt festzuhalten: Gelbreife Kaffees sind extrem selten. Quellen zufolge machen sie jährlich nur rund 4% der weltweiten Kaffeeernte aus.
Wie es also dazu kam, dass genau dieser Kaffee seinen Weg nach Indien gefunden hat, ist eine außergewöhnliche und bemerkenswerte Geschichte.
Unser Kaffeebauer Jacob Mammen hat sich über die Jahre immer wieder Varietäten gesichert, die in der Kaffeewelt kaum bekannt sind, und diese mit großem Erfolg angebaut.
Gerade in 2024 und 2025 wurde unsere Aufmerksamkeit bewusst auf diese Vielfalt gelenkt und wir widmen uns den Badra Estates intensiver denn je. Kunden, die uns schon länger begleiten, erinnern sich vielleicht an den einen oder anderen Arabica aus Indien: die S-795 als limitierte Edition im Jahr 2018, den Sarchimor mit seiner feinen Aprikosennote oder den Agaro, der mit seiner äthiopischen Genetik überrascht.
Arabicas aus Indien waren für uns schon immer besonders spannend – nicht zuletzt, weil das Land als Kaffeeherkunft massiv unterschätzt wird. Viele Kaffeetrinker wissen nicht einmal, dass in Indien Kaffee angebaut wird. Selbst auf internationalen Veranstaltungen oder im Messe-Catering reagieren indische Gäste oft überrascht, wenn Kaffee aus ihrer Heimat in der Mühle ist.
Es gibt die legendäre Geschichte des Baba Budan, der als Reisender den Kaffee nach Indien brachte. Realistisch betrachtet waren es jedoch die Briten, die später Saatgut aus ihren anderen Kolonien ins Land brachten. Genau hier beginnt auch die Geschichte dieses Kaffees – und sie ist eng mit der Historie dieser Farm verbunden.
Die Frau des britischen Vorbesitzers der Badra Estates hatte ihre Wurzeln in Afrika und brachte verschiedene Arabica-Varietäten aus ihrer Heimat mit nach Indien. Über viele Jahre wuchsen diese gelbfrüchtigen Pflanzen unbeachtet auf der großen Bettadakhan-Plantage, bis die Pflücker schließlich auf sie aufmerksam wurden.
„Yellow drop, yellow drop“, rief es eines Tages aus der Menge. Ein älterer Pflücker, der sich lange um diese Pflanzen gekümmert hatte, brachte als Erster etwas Besonderes mit. Seitdem sorgt Jacob Mammen dafür, dass diese wenigen Pflanzen gezielt geerntet werden – mit einem jährlichen Ertrag von gerade einmal 30 bis 90 Kilogramm.
Wir beobachten diese Ernte nun seit vielen Jahren. Im Frühjahr 2024 haben wir uns schließlich entschieden, unsere Hand darauf zu legen und den einzigen Yellow Caturra Indiens nach Wiesbaden zu bringen.
Zum Jubiläum gab es damals zwei Röstchargen à 15 kg – eine dunkler, eine heller geröstet.
Für die weiteren Ernten haben wir uns bewusst für eine helle Röstung entschieden. In der Tasse zeigen sich Mandarine, viele frische grüne Aromen und eine feine, klare Karamellsüße.
Besonders spannend wird es, wenn diese helle Röstung als Espresso präzise extrahiert wird: Ein lebendiges Bizzeln auf der Zunge, saftige Mandarine, die den Speichelfluss anregt – fruchtig, aber nicht zu sauer. In der Nase verbinden sich Vanille und Mandeln, begleitet von einer würzigen Note, die an Spekulatius erinnert.
Bei einer jährlichen Erntemenge von gerade einmal rund 90 kg Rohkaffee bleibt dieses Geschmackserlebnis jedoch leider ein kurzes Vergnügen.
