Letztes Jahr haben wir unseren ersten offiziellen "Honey" nach neun Jahren Kaffeerösterei erhalten. Der Lagarto wurde schnell zum Favoriten und beliebtesten Brasilianer im Shop. Sofort haben wir uns die gesamte nächste Ernte gesichert und die Dutras haben ihn als Natural für uns aufbereitet. Als Natural bringen wir nun mehr Komplexität in die Tassen.
KAFFEEFARMER Walter & Ednilson Dutra · HERKUNFT Brasilien · KAFFEFARM Fazendas Dutra · PLANTAGE Água Limpa · PARZELLE Lagarto · ANBAUHÖHE 1200 m · VARIETÄT Uva · VERARBEITUNG Natural · BOHNENGRÖßE 16up · ERNTEMENGE 300 kg
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Das portugiesische Wort für "Traube" verleiht dieser Kreuzung ihren Namen. Ein Blick auf die Genetik dieser noch jungen Arabica-Varietät zeigt eine spannende Kombination aus einem "roten Catuai" und einem "Sarchimor".
Während der rote Catuai mit den Parzellen Torre Taquara Preta und Jacare zu euren beliebtesten Kaffees gehörte, tritt der Lagarto nun tatsächlich in ihre Fußstapfen.
Der "TTP" war jahrelang unser Bestseller. Genau deshalb haben wir ihn vor einigen Jahren bewusst aus dem Sortiment genommen und rösten ihn seitdem ausschließlich saisonal im Winter. Das eine Rösterei den wirtschaftlich stärksten Kaffee aus dem Sortiment nimmt, zeigt wie verrückt wir nach Kaffee und Vielfalt sind. Es ist womöglich unser Alleinstellungsmerkmal in dieser Branche, weil wir uns nie ausruhen sondern immer weiter auf der Suche sind, um euch so viele Erfahrungen wie möglich anbieten zu können.
Schon seit geraumer Zeit waren wir auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger: einem Kaffee, der uns mit seiner Geschichte fesselt wie es einst der TTP vermag, einem neuen Geschmacksprofil und im Idealfall einer Ernte, die vollständig uns gehören könnte.
Da die Parzelle Torre Taquara Preta mit einem Ertrag von über einer Tonne unsere finanziellen Möglichkeiten überstieg, haben wir immer nur einen Teil der Ernte erworben.
Mit dem Lagarto hat sich das Blatt jedoch gewendet..
Von der vergangenen Ernte konnten wir acht von zehn Säcken sichern und haben den Lagarto in sämtlichen Röstprofilen ausprobiert. Obwohl weitere Brasilianer unser Sortiment durchliefen, hat sich der Lagarto bei euch bewährt und wurde schließlich im Frühjahr 2026 ausgetrunken.
Bereits zum Jahresende haben wir uns die Folgeernte und alle zehn Säcke gesichert.
Entsprechend groß war die Vorfreude, als Ende Mai die Palette ankam und wir unser eigenes Logo auf den Säcken entdeckten.
Endlich wieder eine exklusive Dylan & Harper Ernte von der Fazendas Dutra!
Während der Catuai selbst, als häufigster Arabica Südamerikas, bereits eine Kreuzung aus "Mundo Novo" und "Caturra" ist, geht der Stammbaum des Uva noch einen Schritt weiter: er besteht aus dem Catuai und einem Sarchimor.
Doch was bedeutet das eigentlich?
Den Catuai könnte man als den Riesling Südamerikas bezeichnen. Kaum ein anderer Arabica hat sich auf dem Kontinent so erfolgreich etabliert. Dank der Kombination aus Ertrag, Widerstandsfähigkeit und Geschmack gehört er zu den beliebtesten Arabicas und ist am weitesten verbreitet in Lateinamerika.
Dabei besteht auch der häufigste Arabica Südamerikas aus zwei bedeutenden Linien: Mundo Novo und Caturra.
Mundo Novo enstand aus einer der ersten großen Kreuzungen der Kaffeegeschichte. Ziel war es, die alte Welt - vertreten durch die afrikanische Typica-Linie - mit der neuen Welt - brasilianische Bourbon-Linie - zu einer Super-Pflanze zu vereinen.
Die Natur hat jedoch ihre eigenen Pläne: Mundo Novo wurde ein sehr großer Kaffeebaum, der im heutigen Anbau nur noch selten zu finden ist.
Seine Genetik wurde aber breit gestreut - vor allem im Catuai, dessen Genetik zur Hälfte aus einem Mundo Novo besteht.
Werfen wir nun einen Blick zurück auf unseren Uva: seine Genetik besteht aus 50% Catuai (50% Mundo Novo / 50% Caturra) und 50% Sarchimor (50% Villa Sarchi / 50% Hibrido de Timor).
Wenn wir nun ganz fies wären, könnten wir die 25% Mundo Novo noch weiter in ihre Typica/Bourbon Anteile aufteilen und den Hibrido de Timor Anteil ebenfalls nochmal splitten.. aber so tief wollen wir an der Stelle gar nicht in den Stammbaum eintauchen.
Unterm Strich bedeutet das ganz einfach:
Der Uva vereint eine außergewöhnlich vielfältige und breit aufgestellte Genetik - und genau das macht ihn so spannend!
In all den Jahren sind wir bei unseren Kaffees stets mit einer gewissen wissenschaftlichen Konsequenz an das Thema Aufbereitung herangegangen. Ein Natural ist ein Natural und ein Pulped Natural ist ein Pulped Natural.
Vor einigen Jahren hat sich jedoch der Begriff "Honey" eingeschlichen - oftmals eher als eine Art Marketingbegriff, denn als präzise Definition. Dabei wird zwischen White, Yellow, Red und Black Honey unterschieden. Die jeweilige Farbe soll nach dem Schälen der Kaffeekirschen den Reifegrad bzw. den Fermentationsgrad anhand der Färbung des anhaftenden Fruchtfleisches beschreiben.
Aus unserer Sicht ist das zu kurz gedacht. Jede Kaffeeart, jede Varietät, jedes Land und jede Farm bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit sich, sodass man das nicht einheitlich anhand der Farbe definieren kann.
Nach all den Jahren haben unsere Brasilianer zuerst den Schritt gewagt, die Entwicklung der trocknenden Rohkaffeebohnen mit anhaftendem Fruchtfleisch zu beobachten und somit ihren ersten konkreten "Honey" aufzubereiten.
Und wer sollte bei so einer abgefahrenen Ernte natürlich der erste Röster sein?! ;-)
Trotzdem haben wir uns bei der neuen Ernte für das Natural-Processing entschieden.
Der Grund ist ganz einfach:
Seit mittlerweile fast dreizehn Jahren arbeiten wir mit Rohkaffees von der Fazendas Dutra #directtrade
An Süße hat es in diesen Kaffees noch nie gefehlt. Das liegt einerseits an dem Anbau in Brasilien, andererseits an der außergewöhnlichen Qualität der Farm sowie den technischen Möglichkeiten, die den Dutras mittlerweile zur Verfügung stehen.
Unser Ziel konnte deshalb nicht mehr Süße sein - sondern mehr Komplexität!
Spätestens seit letztem Sommer haben wir mit dem Lagarto Honey gezeigt, dass ein hell gerösteter Brasilianer kein Widerspruch ist. Trotz des nussigen Profils und der seit Jahrzehnten gewohnten dunklen Röstungen mit brasilianischen Kaffees - vor allem in Blends von internationalen Playern - können wir mit präzisem Handwerk deutlich mehr hervorheben als klassische Noten von Schokolade, Erdigkeit und Süße.
Andere Kollegen aus der Specialty-Coffee Szene verfolgen ebenfalls diesen Ansatz mittlerweile. Besonders Kollegen in der Schweiz arbeiten momentan auf Hochtouren daran, das Potenzial heller gerösteter Brasilianer international stärker in den Fokus zu rücken.
Um die Facetten eines hochwertigen, sortenreinen brasilianischen Kaffees sichtbar zu machen, haben wir uns bei unserer Ernte für das Natural-Processing entschieden.
Nach diesen 300kg werden wir wieder etwas gelernt haben und die Grundlage sein für den nächsten Schritt für die Ernte in 2027.
So ließen sich die ersten Chargen unseres neuen Brasilianers am besten beschreiben.
Im Sommer 2025 haben wir diesen Kaffee geröstet und ihn präzise kennengelernt. Um sein volles Potenzial zu zeigen, präsentierten wir die Honey Ernte in zwei Röstprofilen, um verschiedene Facetten dieser wunderbaren Ernte zu präsentieren.
Genau so werden wir das mit der neuen Natural Ernte handhaben.
Medium Roast
Ein sehr balancierter Filterkaffee, der alle begeistert. Die natürliche Süße steht klar im Vordergrund: feine Mandeln in der Tasse, süßes Steinobst auf der Zunge. Dazu ein voller Körper und eine bemerkenswerte Cremigkeit – lebendig, elegant und harmonisch zugleich.
Dark Roast
Unsere erste Charge im Juli 2025 entstand aus der Suche nach dem nächsten besonderen Espresso aus Brasilien. Bereits Ende Juli folgte eine etwas dunklere Röstung, die es in sich hatte: intensive süße Röstaromen treffen auf eine angenehme Mandelnote und sorgen für Tiefe und Struktur.
Daran orientieren wir uns auch bei der neuen Natural Ernte und können es kaum fassen, wie viel mehr wir in der Tasse erhalten. Komplexität macht sich sogar in der Dunkelheit bezahlt.
Auszug aus dem Winter 2025, bevor die neue Ernte kam:
"Leider ist der Light Roast ausverkauft, da wir nun dann doch recht schnell unseren Anteil der 300kg Ernte verbraucht haben.
Die gute Nachricht ist jedoch, dass wir uns für den Kauf der gesamten nächsten Ernte entschieden haben und sobald diese im Frühjahr an Land kommt, geht es wieder weiter."
