Torre Taquara Preta

Der rote Catuai, der uns seit 2016 jährlich erreicht. Wir bevorzugen hier die Perlbohnen Ernte, weil für uns Perlbohnen nochmal einen kleinen Vorteil gegenüber Flachbohnen haben. Aktuell ist die letzte Charge dieser Ernte im Shop und wir haben uns entschieden ihn deutlich heller zu rösten, als je zuvor, damit wir sehen können welches Potential noch in dem Kaffee steckt - auch wenn die Bekanntschaft seit Jahren bereits pflegen. Sich immer wieder neu zu erfinden ist eine der Stärken unserer Kaffeerösterei.

 

TORRE TAQUARA PRETA

 

KAFFEEFARMER Walter & Ednilson Dutra · HERKUNFT Brasilien · KAFFEFARM Fazendas Dutra · PLANTAGE Água Limpa · PARZELLE Torre Taquara Preta · ANBAUHÖHE 1200 m · VARIETÄT Catuai Vermelho · VERARBEITUNG Pulped Natural · BOHNENGRÖßE Perlbohne · ERNTEMENGE 1500 kg

 

Um frisch gemahlenen Kaffee zu erhalten, schreiben Sie uns bitte im Notiz-Feld des Bestellprozesses für welche Zubereitung wir den Mahlgrad einstellen sollen. Ansonsten versenden wir die Bestellung als ganze Bohnen.

 

TTP, Pulped Natural, Red Catuai

10,90 €

43,60 € / kg
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Catuai Vermelho

 

Die Arabica-Varietät "Catuai" ist eine Kreuzung aus dem Mundo Novo und einem Caturra.

 

Die Varietät "Catuai" ist auf Plantagen in ganz Südamerika verbreitet. Sowohl bei unseren Mexikanern, als auch auf der Fazendas Dutra sind sicherlich mehr als 50% der Arabica-Pflanzen der Varietät Catuai.

Obwohl der "Riesling" Südamerikas so weit verbreitet ist, ist seine Genetik ziemlich kompliziert:

 

Um eine der zwei Arabica-Linien, den Tipica, samt dessen weiten Sträucher ein wenig "Pflück-Gerechter" zu bekommen, hat man diese mit der anderen Arabica-Linie, dem Bourbon, welcher klein und kompakt wächst, gekreuzt. In der Hoffnung DIE Kaffeepflanze zu bekommen, entpuppte sich das Resultat als sehr aufwendiges Ergebnis, denn der daraus entstandene "Mundo Novo" wächst bis zu 4 Meter hoch.

Über die Jahrzehnte hinweg haben sich Bourbon-Kaffees an ihre Gegebenheiten angepasst und so ist bspw. der "Caturra" eine Mutation der Bourbon Linie, die heute hauptsächlich in Kolumbien, Guatemala und Honduras wächst. Diese wieder niedrig gewachsenen Pflanzen nahm man in den Fünfzigern und kreuzte sie mit dem Mundo Novo - daraus entstand der Catuai.

Ab den 70ern wurde der Catuai in Brasilien gezeigt und nahm dann seinen Lauf über den gesamten Kontinent. Heute sind das die am meisten verbreiteten Arabicas in Südamerika. Catuais haben gute Erträge, einen angenehmen Wachstum und können sehr dicht bepflanzt werden.

 

Fun Fact: Witzigerweise kennen unsere Mexikaner die Varietät gar nicht, denn in Mexiko heißt sie "Garnica". Also nicht wundern, wenn ihr diesen Begriff mal hört, es ist die gleiche Varietät.

 

Ist viel gleich gut?

 

So wie es in ganz Deutschland und vielen anderen Ländern Riesling gibt, entscheiden am Ende einzig die Fähigkeiten des Winzers und dessen Möglichkeiten Jahr für Jahr, ob der Wein ein Genuss wird oder nicht.

Der Catuai hat sich im Laufe der Zeit gegenüber vielen anderen Varietäten durchgesetzt und so das große Interesse auf dem Kontinent er- und behalten. Der Ertrag stimmt, die Pflanzen sind umgänglich und sicherlich hat sich über Generationen die Pflanze selbst mehr und mehr der Lage angepasst. In Afrika und Asien haben wir zb. noch keine Catuai gesehen.

Nicht alle Catuai sind gleich exzellente Kaffees, so wie nicht alle Rieslinge tolle Weine sind. Die Varietät Catuai begleitet auch unsere Kursteilnehmer beim Baristakurs und ist eine der ersten Varietäten, die man sich so merkt, aber das heißt noch lange nicht, dass wenn man eine durchschnittliche Kaffeerösterei besucht und diese einem erzählt, dass sie einen Catuai hat, es gleich etwas besonderes ist. Da gäbe es tatsächlich andere Varietäten, wo auch wir große Augen hätten, wenn wir sie irgendwo im Regal sehen würden. Ein Aramosa, der nur an zwei Orten auf der Welt wächst oder ein Agaro, den wir als einzige Rösterei in Europa aktuell haben.

Zum Glück können wir bei unseren Kaffeebauern beruhigt zugreifen, weil diese dafür sorgen, dass jeder Parzellenkaffee Jahr für Jahr besser wird und so begleitet uns auch dieser Catuai von der Parzelle "Torre Taquara Preta" nun schon seit Jahren und begeistert jedes Jahr aufs neue!

 

Die Parzelle TTP

 

Als wir die Kaffeerösterei gründeten, waren wir Anfangs auf der Suche nach soliden Kaffees, die keine Schwankungen in der Erntemenge und im Geschmack haben. Nichts Herausforderndes, nicht unbedingt zu speziell, also weit entfernt von dem wo wir heute sind *grins* aber jeder Anfang ist nun mal schwer.

Eine stabile Genetik, keine jungen Pflanzen, einfach etwas was den kleinen Röster am Anfang in dessen Handwerk unterstützt und den Rücken frei hält.

Praktisch das komplette Gegenteil von heute, wo wir meist nach neuen Varietäten Ausschau halten und mit breiter Brust auch mal behaupten den einzigen Liberica Deutschlands zu haben (langsam zieht die Rösterszene nach vier Jahren nach) oder jetzt mit dem neu veröffentlichten Agaro einen Äthiopier vom indischen Terroir präsentieren.

Die Parzelle Torre Taquara Preta sollte es damals sein. Für brasilianische Verhältnisse mit 1200m recht hoch auf einem Vulkanberg, dem sogenannten "Torre" gelegen. Auf diesem "Turm" befinden sich einige Parzellen, die wir auf der jährlichen Verkostung der Fazenda probieren können. TTP liegt relativ weit oben auf dem Berg, deshalb wächst unser Catuai auf einem etwas weniger oxidierten Vulkanboden.

Mit der Zeit entwickelten wir  ein Händchen für diesen Kaffee und es wurde 2017 und 2018 der am meisten verkaufte Kaffee bei uns.

 

Weshalb meiden wir im Gegenteil zu den meisten Röstereien einen Verkaufsschlager?

 

Als Neukunde betritt man unsere Kaffeerösterei und ist vielleicht etwas verwirrt von den Namen und dem Angebot. Oft machen es sich Röstereien leicht und schreiben Brühmethoden auf die Packung oder nennen das ganze Ding gleich "Caffe Crema".

Da wir mit sortenreinen Parzellenkaffees handeln, benennen wir diese entweder nach der Parzelle oder wie bei den limitierten Editionen nach der Varietät, von der wir wenige hundert Kilogramm bekommen haben und mit euch teilen möchten.

Um einen Anker zu finden, fragen Kunden nach dem gängigsten Kaffee und obwohl wir gerne diese Frage beantworten würden, gibt es leider keine gerechte Antwort. Jeder Kaffee, der bei uns im Shop-Regal steht, hat gute Gründe und oft auch bestimmte Verwendung. Gäbe es einen Bestseller, würden wir unseren Job bei den anderen Kaffees wohl nur mittelmäßig ausüben.

Dieser Gedankengang ist einem Verkäufer oder dem Einzelhandel nicht gleich zuzuordnen, da man das Produkt mit der höchsten Marge oder einem Bonus verkaufen möchte und genau da unterscheidet sich der leidenschaftliche Röster von dem Kaffeeverkäufer!

So wie jeder herausragende Koch die beste Qualität, die er bekommen kann, nimmt, um Kunstwerke auf Teller zu zaubern oder der Mixologe an einer der angesagteren Bars, Vormittags seine Früchte auf dem Markt holt, um sie Abends aus dem Dörrgerät zu nehmen und seinen Kreationen einen Feinschliff zu geben, so ist auch jeder herausragende Kaffeeröster immer auf der Suche nach noch besserer Qualität und hat an sich und seine Arbeit die höchsten Erwartungen.

Nicht alle Kaffeeröster haben in ihrem Beruf dieses Funken und manche sind aufgrund der Hierarchie im Unternehmen gehindert daran wirkliche top-Produkte zu erschaffen, aber die 50-100 hierzulande sind absolute Profis und lassen nicht zwischen einem stehen, wenn es darum geht das Bestmögliche zu kreieren!

Das führte dazu, dass wir ab 2019 den TTP aus dem Sortiment nahmen.. Würde einem keiner glauben oder verstehen, wenn man es nicht selbst gesehen hätte und glücklicherweise haben wir noch viele Kunden aus dieser Zeit.

Für uns wurde es einfach zu eintönig wenn in 9 von 10 Warenkörben der gleiche Kaffee ist. Der TTP wurde zu begehrt und somit nicht mehr hinterfragt. Schlimm wurde es, als wir nach einem langen Tag selbst aufhörten wirklich zu beraten und einfach auf ihn zeigten. Statt die goldene Gans zu schlachten, stellten wir uns also neuen Herausforderungen und Kaffees.

Seitdem kommt der TTP immer mal wieder ins Sortiment und verschwindet dann aber auch für ein paar Monate.

 

"Eine Röstung, sie zu begeistern, sie alle zu finden, ins Halbdunkel zu treiben und ewig zu binden."

 

Der Herr der Ringe, ein Klassiker. So ist auch die mittelkräftige Röstung des Torre Taquara Preta über die Jahre meist gleich geblieben. Nicht falsch verstehen, jede Ernte ist ein wenig anders und darauf reagieren wir anhand der Proberöstungen, aber grundsätzlich ist die Idee dieses Kaffees immer klar.

Ein klassischer, absolut unkomplizierter Filterkaffee für jeden Tag. Schöner Körper, Gebäck, Mandeln, etwas rötliches würziges, vielleicht Roiboostee.

Als Espresso gebrüht, angenehmer Körper, nicht fett, nicht wässrig. Kakao, Mandeln, Kirsche.

Manchmal wirkt es in der Nase wie Marzipan - logisch: Mandeln. Die Kirsche ist auch mal eine rote Traube und der Kakao variiert von hell bis 80%em Kakao.

Wenn wir uns die alten Geschmacksprofile anschauen, ist es schön zu sehen, wie konstant diese Parzelle ist. Der Geschmack hat sich in den letzten sechs Jahren kaum verändert und wird viele seiner alten Fans begeistern und die neuen unter euch haben noch etwas spannendes vor sich!